Mein (w)Ort

Ganz einfach, weil manche Geschichten zu lang für Instagram sind.

Wer mich kennt oder mir auf Instagram folgt, weiß, dass ich es liebe, Worte zu finden. Worte, die berühren, aufzeigen und verstehen lassen. Dennoch sind sie selten blumig. Meist sind sie direkt. Manchmal sind sie sogar hart an der Grenze und nicht selten verwerfe ich Texte wieder, weil sie zu sehr polarisieren und ich nicht ausschließen kann, dass hier das innere Kind oder das Ego am Steuer der Tastatur saßen.

Ich mag Texte, die Tiefe haben und ihre eigene Energie mitbringen, die direkt vom Schreiber selbst kommen. Glattgezogenes, wirst du hier also nicht finden. Dafür Ecken und Kanten. Ehrliche Einblicke. Bewegende Themen. Worte mit Seele und vielleicht einem Komma zu wenig. Wenn du Lust hast, dich selbst zu reflektieren und offen für andere Sichtweisen und Erfahrungen bist, wunderbar. Du darfst bleiben.

Ich wollte einen Ort, wo Worte fließen dürfen. Ohne Zeichenbegrenzung.

Meine Texte waren immer wieder, deutlich zu lang. Zu lang für die schnelllebige und teils sehr oberflächliche Gedankenwelt auf Instagram. Nicht selten, musste ich die Essenz des Textes herunterbrechen. Ihn anpassen. Ihn konform machen, für ein System, das wenig Wert auf Inhalt und Mehr-Wert auf Klicks und Reaktionen setzt. Nicht selten, lese ich dann drüber und fühle, dass ein Teil von mir über die Löschtaste springen musste. Authentizität fängt für mich dort an, nichts weglassen zu müssen und bleiben zu dürfen. Unangepasst. Wild und frei. Ohne starres Konstrukt. Letztendlich fühlte es sich so an, als nähme man einem Künstler einen Teil seiner Pinsel weg. Kein schönes Gefühl.

Zudem brauchte ich einen Ort, der nur mir gehört. Ich brauchte eine Welt, in der Worte das bleiben dürfen, was sie sind. Ein Ausdruck für etwas, das sich manchmal nur schwer beschreiben lässt. Oder aber ein Ausdruck dessen, was sich bislang nur in uns bewegte. Ein Ort, an dem sie nicht um Aufmerksamkeit kämpfen müssen.

Ein Ort, an dem sie einfach sein dürfen, denn Worte verletzen und vernichten auch, sie überdauern Zeit, Raum und Lebenszyklen und finden sich manchmal, Generationen nachdem sie gesprochen, niedergeschrieben und gelesen wurden, in uns wieder.
Sie haben keine scharfe Klinge. Sie hinterlassen auch keine goldglänzende Hülse. Trotzdem können sie tödlicher sein als Gift.

Ich wollte also meinen Raum, in dem Worte hallen dürfen und ihre Wahrheit sprechen, wann immer jemand bereit ist, ihnen zuzuhören.
Oh. Damit würde ich auch eine schöne Drehung zu meiner Kernarbeit hinbekommen.

Für jetzt aber, dürfen meine Worte einfach nur stehen bleiben und sein.

Annina ♥︎

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