RED FLAG. süße Macke oder Katastrophe mit ansage?

Red Flags, kein Thema polarisiert mehr als dieses.

Wir lesen, hören und debattieren regelmäßig drüber, dabei ist das keine Nischensache nur im Dating- und Beziehungsleben.
Man findet sie in Menschen jeglicher Art. Sie sind Freunde, Partner, Eltern, Menschen in deinem Leben und auch Berufsleben.
Zudem gibt es nicht DIE EINE , denn sie sind für jeden von uns individuell.

Im morgigen Podcast sprechen wir zudem ebenfalls darüber, daher ist das auch ein passendes Thema für das Magazin, aber anders, als ihr vielleicht denkt.

Red Flag, zu deutsch: Rote Flagge.

Synonyme dafür sind auch reichlich vorhanden: Alarmsignal, Warnung, Risikofaktor. NO WAY!!!!

Die rote Flagge.
Gern auch gehisst bei extremen Bedingungen wie starkem Wellengang, gefährlichen Unterströmungen, starkem ablandigem Wind und Gewitter.
Schon Oma meinte, dass wir bei roter Flagge nichts im Wasser zu suchen haben.
Selbst richtig gute Schwimmer sollten bei roter Flagge unter gar keinen Umständen ins Wasser gehen, da die Strömungen und Wellen unkalkulierbar, bis gar tödlich sein können.
In einigen Regionen ist das Missachten der roten Flagge sogar verboten und kann mit empfindlichen Geldstrafen geahndet werden, müsste man mal bei Dating erwähnen.
Die Symbolik der Red Flag, ist auf jeden Fall nicht unbedrohlich und warnend.
Dennoch klatschen wir manchmal freudig in die Hände und vertrauen auf unser Dating-Seepferdchen.
Wie Dori schon zu sagen pflegte: einfach schwimmen, … und dennoch wundern wir uns, wenn wir fast ertrinken.

Ich neigte häufig dazu, Red Flags zu daten. Manchmal waren sie wandelnd auf zwei Beinen. Manchmal nur punktuell vertreten.
Dennoch hatten sie alle eines gemeinsam: Sie waren herausfordernd. Auch aufregend und irgendwie anders, aber in erster Linie herausfordernd.

Ich erkannte manche Art aber nicht als solche, sondern nannte es Ecken und wunderte mich häufig, warum ich mich an ihnen stieß.

Wer hier im Magazin aufmerksam mitliest, hat sicherlich schon verstanden, dass man viel davon ableiten könnte, wie man groß wurde.
Wie die Familie, insbesondere die eigenen Eltern, miteinander umgingen oder noch miteinander umgehen und wie Partnerschaften auch innerhalb eines Herkunftssystems gehandhabt wurden.

Natürlich aber auch, wie man sich selbst sieht.

Mit meinem damaligen, sehr ausgeprägten Everybody’s-Darling-Gen hatte ich die stille Hoffnung, der Mensch zu sein, der Veränderung in die Menschen vor meiner Nase hereinbringt. Ganz salopp: Irgendwie wollte ich retten.

Meinen eigenen Fokus sah ich dabei nicht. Was ich in anderen verändern wollte, weil ich so großes Potenzial in ihnen sah, sah ich nie in mir.Zumindest nicht zum damaligen Zeitpunkt. Ich kannte mich wenig.

Ich ließ mich also mitunter schlecht behandeln, ghosten, hab weggesehen, meine Meinung geschluckt, ja statt nein gesagt, mich für Dinge entschuldigt, die nie mein Thema waren.
Ich habe zurückgesteckt, mich belächeln lassen, mich beleidigen lassen, mich betrügen lassen. Ich schreibe hier nicht nur aus Dating-Sicht.

Im Grunde wollte ich immer die sein, die unkompliziert war.
Die, mit der Man(n) Pferde stehlen wollte.
Die beste Freundin, mit der man eben auch alt werden will.
Die, die für alles Verständnis hat.
Der Bullshit nahm also Beziehung für Beziehung seinen Lauf, bis ich es satt hatte, immer dieselbe Situation anzuziehen, nie emotional erreichbare Menschen kennenzulernen oder zu daten oder, schlimmer, vergebene Menschen, die in mir nur die schöne und nette, unkomplizierte Ablenkung sahen.

Oft hatte ich das Gefühl, dass sich nie jemand für mich entschied, während ich alles tat, um mich für die Person vor mir zu entscheiden, und da waren echt eigene Abgründe dabei, auf die ich heute nicht ganz so stolz zurückblicke.
Was ich damals noch nicht begriff, war: dass ich es war, die sich nicht für mich entschied.
Ich war emotional ebenso weit weg.
Ich lebte so sehr nach dem Bild, welches mir vertraut war, dass ich mir nicht erlaubte oder auch mich nicht traute, anders zu sein.

Das änderte sich.
Und wie.
Nicht durch Leichtigkeit, sondern durch Schmerz.
So einer, der dir den Boden unter den Füßen wegschießt. Der dich in die Knie zwingt, weil du das Gefühl hast, nicht mehr atmen und damit stehen zu können.
Du hast körperliche, innere Schmerzen, aber nicht organisch.
Sie kommen als emotionale und seelische wilde Horde.
Dein Weinen fährt dir selbst durch Mark und Bein.

Dieser eine Schmerz.
Der nichts anderes zuließ, als hinzuschauen.
Zumindest, was mich anging.

Ich lernte über Jahre, wer ich war und wer ich sein wollte.
Es dauerte und brauchte noch mehr Selbstliebe und manchmal viel Wein, um zu verstehen, dass ich der Anfang von allem bin.

Ich bin der Anfang! Nicht der Ursprung!

Irgendwann merkte und fühlte ich, wenn Menschen sprachen, wie mein gesunder Menschenverstand zurückkehrte.
Ich sah Worte vor meinem inneren Auge und mit ihnen kam das Gefühl:
Stopp. Nein. Bitte was??

Ich nahm sie in Begegnungen wahr.
Wich ich energetisch zurück, schaltete ich ab oder war ausgelaugt, nahm ich das ernst.

Ich merkte nach und nach, wie ich Dinge ablehnte, bei denen ich früher eine Einladung mit Bleiberecht aussprach.
Ich duldete keine Respektlosigkeit mehr, grenzte mich ab und wurde richtig unbequem.
YAY.
Ich war nicht mehr die Frau, die die nette Ablenkung war.
Ich war die Frau, die nicht mehr zuließ, dass der Bullshit anderer mein Leben bestimmt.
Ich lernte meine Bedürfnisse kennen.
Meine emotionale Stabilität und auch die Instabilität, die manchmal noch den Weg zu mir suchte, und mit ihr das Wissen darum, was ich brauche, um ihr zu begegnen.

Ich griff um mich.
Bei mir, in Freundschaften, im Dating, in Jobs und zuletzt in der eigenen Familie.

Red Flags? Sind heute, meine personifizierten Grenzen.
Wie kleine und große Tests, die es mir erlauben, jederzeit zu überprüfen, ob ich noch bei mir bin.

Was bleibt, ist die eigene Würde.

Eine großartige Liebe, die zuerst bei mir anfängt, und Grenzen, die den Raum respektieren.

Es bleibt auch das Gefühl, sich selbst zu kennen, stolpern zu dürfen und das Vertrauen, dennoch und zu jeder Zeit auf der richtigen Spur zu sein, auch wenn es nur um das eigene Erkennen geht.

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Sichtbarkeit hat nichts mit gesehen werden zu tun